Wie ZF von Anfang an vom neuen Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Großbritannien profitiert

Case Studies | Warenursprung & Präferenzen | 12 April 2021

MIC arbeitete eng mit dem deutschen Technologieunternehmen ZF zusammen, um sicherzustellen, dass es auf die neuen Handelsregeln nach dem Brexit vorbereitet ist


Der ZF Konzern

ZF ist ein globales Technologieunternehmen, das Systeme für Pkw, Nutzfahrzeuge und Industrietechnik liefert und damit die „Next Generation Mobility“ ermöglicht.

ZF ermöglicht es Fahrzeugen, zu sehen, zu denken und zu handeln. In den vier Technologiefeldern Vehicle Motion Control, Integrierte Sicherheit, Automatisiertes Fahren und Elektromobilität bietet ZF umfassende Produkt- und Softwarelösungen für etablierte Fahrzeughersteller und neu entstehende Transport- und Mobilitätsdienstleister. ZF elektrifiziert eine breite Palette von Fahrzeugtypen. Mit seinen Produkten trägt das Unternehmen dazu bei, Emissionen zu reduzieren, das Klima zu schützen und die sichere Mobilität zu erhöhen.

Im Finanzjahr 2020 meldete ZF einen Umsatz von 32,6 Mrd. €. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 150.000 Mitarbeiter an ca. 270 Standorten in 42 Ländern.

Quelle: www.zf.com

 

Die Partnerschaft zwischen ZF und MIC

Diese Partnerschaft wurde 2014 mit einem Pilotprojekt in Deutschland initiiert, in dem es darum ging, das Ursprungskalkulationssystem (MIC OCS) und das zentrale Klassifizierungssystem (MIC CCS) von MIC zu implementieren. Es war die erste Zusammenarbeit von ZF und MIC und der Beginn einer Partnerschaft, die seither das Global Trade Management (GTM) von ZF nachhaltig rationalisiert hat.

Der Leiter des Global Customs Management bei ZF, Harald Boes, erklärt, dass das Unternehmen vor Beginn dieser Partnerschaft bis zu neun verschiedene ERP-Systeme zur Berechnung des Warenursprungs verwendet hatte. Dieser Ansatz erforderte viel zu viel Zeit und Aufwand für die Wartung. Daher entschied sich das Unternehmen, für ZFs gesamte GTM-Abwicklung eine einzige Lösung zu beschaffen.

Herr Boes sagte: „Wir haben MIC vertraut, dass sie es schaffen können und wir haben recht behalten. Wir haben in Deutschland ein Pilotprojekt in sehr kurzer Zeit gestartet und implementiert – in nur 3 Monaten – was fantastisch war. Jetzt sind wir an dem Punkt angelangt, an dem aus der Software von MIC eine strategische Software innerhalb von ZF geworden ist. Das kann man sich gut vorstellen, wenn man die Anzahl der Standorte, an denen wir sie nutzen, betrachtet.“

Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt erfolgte bei ZF ein sehr schneller Rollout zunächst in den deutschen Niederlassungen und dann an dessen internationalen Standorten. Heute läuft OCS und CCS von MIC bei ZF in 42 Niederlassungen in 11 Ländern, darunter 32 Niederlassungen in der EU, 7 in den USA und Mexiko, 2 in China und 1 in Serbien. Alle sind tief in die bestehenden SAP- und QAD-Systeme von ZF integriert.

ZF hat auch andere GTM Softwaremodule von MIC implementiert, wie etwa MIC-CUST® für die Zollabwicklung, MIC ECM für das Exportkontroll-Management und MIC-DPS für das Denied Party Screening.

Herr Boes erläuterte: „Wir nutzen die MIC-Software für China, wir implementieren sie weiter in den USA und Mexiko und wir setzen sie innerhalb der EU ein – damit liegen die Vorteile für uns klar auf der Hand. Je mehr wir die MIC Software einsetzen und je mehr Rollouts stattfinden, desto mehr Synergien können wir nutzen.“  Wenn ZF beispielsweise die Einrichtung eines neuen Freihandelsabkommens (FTA) innerhalb von MIC OCS vornimmt, muss dies nur einmal für alle derzeit installierten Standorte erfolgen. Das ist einer der Hauptvorteile einer zentral installierten globalen Zollsoftware und Trade-Compliance Lösung.

Herr Boes betonte: „Wenn ich mir MIC OCS anschaue, dann haben wir dort diese Art der Vorteilsberechnung. Das macht es wirklich spannend, denn eine Mischung aus einer Top-Down- und Bottom-Up-Kalkulation ist ein komplett neuer Ansatz und bringt viel mehr positive Ursprungskalkulationsergebnisse für unsere Waren innerhalb des maßgeblichen Rahmenabkommens hervor. Dieser optimierte Berechnungsansatz ist ein Alleinstellungsmerkmal und einer der Gründe, warum wir uns für MIC entschieden haben. Ich denke, wir haben eine Steigerung von 15-20% an positiven Ursprungskalkulationsergebnissen, was wirklich fantastisch ist.“

Betrachtet man das Gesamtbild, so wurden seit 2014 die folgenden MIC-Module bei ZF implementiert:

  • MIC OCS (Warenursprungs-Kalkulationssytem):
    Das OCS-Modul wird für die präferenzielle Ursprungskalkulation zur Einhaltung mehrerer komplexer präferenzieller Ursprungsregeln für zahlreiche Freihandelsabkommen (EU, US, MX, CN, etc.) eingesetzt und optimiert diese Prozesse durch Automatisierung. Darüber hinaus ermöglicht es die automatisierte Einholung von Lieferantenerklärungen unter Verwendung des innovativen Lieferanten-Webportals von MIC.
  • MIC CCS (zentrales System zur Zolltarifierung & Exportkontrollklassifizierung):
    Das CCS-Modul bietet ZF einen erhöhten Automatisierungsgrad bei der Zuweisung von Zolltarifierung und Exportkontrollklassifizierung zu Produkten durch den Einsatz regelbasierter und intelligenter Algorithmen, die künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen (AI/ML) nutzen.
  • MIC-CUST® (globales Zollmanagement): 
    MIC-CUST® ermöglicht dem Unternehmen eine effiziente Verwaltung von Zollanmeldungen durch den direkten Datenaustausch mit dem elektronischen Zollanmeldesystem Deutschlands (ATLAS): Der Rollout von MIC-CUST® innerhalb von ZF findet kontinuierlich statt.
  • MIC ECM (Exportkontroll-Management)
    MIC ECM unterstützt die zentrale Verwaltung aller exportrelevanten Unternehmensvorgänge. Damit ist ZF in der Lage, Embargoprüfungen sowie Endverwendungs- bzw. Endnutzerscreenings einschließlich der Verwendung konfigurierbarer Red-Flag-Fragebögen durchzuführen.
  • MIC DPS (Sanktionslistenprüfung): 
    Das Modul zur Sanktionslistenprüfung von MIC ist ein Teilmodul von MIC ECM und ermöglicht ZF das automatisierte Screening gegen Sanktionslisten auf der Grundlage eines konfigurierbaren Screening-Algorithmus und konfigurierbarer Screening-Profile. MIC DPS ermöglicht auch das Screening gegen ZF-spezifische Black Lists und White Lists.

Automatisiert wird diese Lösung über Schnittstellen zwischen dem MIC-System und der SAP-ERP-Systemlandschaft von ZF, welche auch über Rückgabeschnittstellen zu SAP verfügt. 

Wie in jeder Partnerschaft gab es nicht nur glänzende Momente, was auch zu erwarten ist. Herr Boes deutete an: „Es gab auf dem Weg einige harte Diskussionen und Entscheidungen, aber dadurch wurde letztlich eine lohnenswerte Beziehung aufgebaut. Ich finde, es ist ein wirklich positiver Aspekt, dass wir auf dem Weg unterschiedlicher Meinungen sein können, aber am Ende zum Vorteil beider Unternehmen zusammenfinden. Ich meine, das ist einer der Gründe, warum wir so erfolgreich sind. Es ist ein echter Teamansatz: MIC, ZF-IT und ZF-Customs Operations arbeiten eng zusammen und werden dabei vom Executive Sponsorship Team beider Unternehmen unterstützt.“

 

Wie ZF & MIC den Unsicherheitsfaktor Brexit überwanden

Die Einhaltung internationaler Zoll- und Handelsbestimmungen ist immer ein komplexer Prozess der ständig weiterläuft. Die Zeit bis zum Ende der Brexit-Übergangsperiode im Jahr 2020 war jedoch eine besonders aufreibende und verwirrende Zeit für Unternehmen auf dem ganzen Kontinent, ganz besonders für solche mit globalen Aktivitäten, welche stark von Importen und Exporten abhängig sind.

Bis in die letzten Tage des Jahres 2020 war niemand sicher, ob ein Abkommen zustande kommen würde oder nicht. Selbst nach der Ankündigung eines Handelsabkommens blieb eine große Unsicherheit darüber, wie es umgesetzt werden würde und welche Änderungen erforderlich wären. Ein Bereich, der besonders Sorgen machte, waren die neuen Anforderungen an die Ursprungsregeln, die für multinationale Hersteller wie ZF besonders große Auswirkungen haben. Eine Herausforderung, auf die ZF schnell reagieren musste.

Wie viele andere in der Automobilbranche bereitete sich ZF auf einen harten Brexit vor, ohne dass ein Freihandelsabkommen in Kraft war. Man erkannte bald, dass ein finaler Endzustand nicht in Sicht war und man für alle Eventualitäten planen musste. Herr Boes sagte: „Im letzten Quartal 2020 habe ich in eine andere Richtung gedacht. Es könnte ja sein, dass am Ende ein Abkommen erzielt wird und dann sind wir die Dummen, weil wir es dann sofort umsetzen müssen – innerhalb kürzester Zeit. Wann immer ein Freihandelsabkommen angekündigt oder verhandelt wird und es losgehen kann, will natürlich jeder unserer Kunden sofort die Vorteile daraus nutzen.“

Wie also lässt sich diese Unsicherheit überwinden?

ZF hatte einen Vorteil gegenüber vielen anderen Unternehmen, es profitierte von der engen Partnerschaft mit MIC bei der Bereitstellung fortschrittlicher Zollsoftwarelösungen, auch um die unsicheren Gewässer des Brexits so reibungslos wie möglich zu bewältigen.

Eine wichtige Vorbereitung auf die Ungewissheit, ob ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich zustande kommt oder nicht, bestand darin, den kommerziellen Teil schon vorher zu regeln, ehe es zum Abkommen kommt. Dazu erwarb ZF speziell für diese Situation ein neues FTA-Bundle von MIC, um im Fall eines Abkommens mit einer sofortigen Implementierung so flexibel wie möglich reagieren zu können.

Dieser Fall ist dann tatsächlich eingetreten. Herr Boes stellte anschaulich fest: „Großbritannien und die EU haben bis zum Schluss verhandelt und dann am 24. Dezember ein neues Freihandelsabkommen auf den Weg gebracht.“

Dennoch hielten weder die späte Ankündigung des Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien noch die Weihnachtsfeiertage ZF und MIC davon ab, die neuen Ursprungsregeln des Abkommens aus technischer Sicht noch vor Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zu implementieren.

„Wir hatten drei Tage Zeit, um alle Ursprungsregeln im Testsystem zu hinterlegen, damit das System auf eine korrekte Berechnung schon in der ersten Januarwoche vorbereitet ist – und genau das haben wir getan. ZF und das Support-Team von MIC haben die Zeit zwischen den Jahren genutzt und ZF war wahrscheinlich das erste Unternehmen in Europa, das imstande war, die Anforderungen des neuen Freihandelsabkommens zu kalkulieren“, erklärte Herr Boes und fuhr fort, „in einfachen Zahlen bedeutet das, dass wir alle Stücklisten (BOMs) kalkuliert haben, die für Großbritannien bestimmt waren, das waren etwa 250.000. Alle wurden im MIC-System für 11 FTA-Bündel berechnet, d. h. 250.000 mal 11 Bündel. Ab der zweiten Woche konnten wir dann schon Ursprungszeugnisse ausstellen, die für Großbritannien bestimmt waren. Das alles war wirklich ein Riesenerfolg.“

 

Blick in die Zukunft

Natürlich ist die Einhaltung internationaler Zoll- und Handelsvorschriften ein sich ständig weiterentwickelndes Umfeld, sodass diese Arbeit nie abgeschlossen ist.

Nach der erfolgreichen Implementierung des Kalkulationsteils des EU-UK-Abkommens wird ein Hauptaugenmerk für MIC und ZF im Jahr 2021 auf der Implementierung des Teils der Lieferantenerklärungen liegen, der auch die Tier 2, 3 & 4 Lieferanten einschließen soll.

Herr Boes erläuterte: „Es gibt innerhalb des EU-UK-Freihandelsabkommens ein Thema, das momentan noch nicht abgeschlossen ist. Was am 29. Dezember zur Sprache kam, war, dass es eine Übergangsfrist für die Verwendung von Lieferantenerklärungen für das EU-UK-Abkommen bis zum 31.01.2022 gibt. Bis dahin müssen wir also einen guten Weg finden, um das Einholen von Lieferantenerklärungen zu erledigen, damit wir den Ursprungsnachweis gemäß dem neuen Freihandelsabkommen weiter beibehalten können.“

MIC wird ohne Zweifel hart daran arbeiten und sich wie in den letzten Jahren voll engagieren, damit sichergestellt ist, dass alle dafür notwendigen Funktionalitäten bis Ende 2021 zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus hat ZF im Jahr 2020 begonnen, MIC-CUST® für das Zollmanagement einschließlich der direkten elektronischen Kommunikation mit dem System der deutschen Zollbehörden (ATLAS) bei einer seiner Tochtergesellschaften einzusetzen. Im Jahr 2021 plant ZF, dies auf alle anderen Tochtergesellschaften in Deutschland auszuweiten.

In Zukunft möchte ZF auch die Implementierung der OCS- und CCS-Software von MIC ausweiten und sich mit anderen Themen wie den neuen Exportkontrollgesetzen in China befassen. Letztendlich ist das Ziel, über ein einziges System zu verfügen, welches alle Aspekte des internationalen Zollmanagements von ZF umfasst.

Herr Boes erklärte abschließend: „Es geht dabei um die Frage, ob man ein System oder mehrere Systeme (eines in jedem Land) haben will. Es ist manchmal so, dass ein lokales IT-System besser zu den lokalen Anforderungen passt als ein globales, aber für einen Global Player ist letztendlich ein einziges globales System die beste Lösung. Jeder, der für internationales Zollwesen zuständig ist, träumt davon, mit einem einzigen GTM-System zu arbeiten. Wenn man also eine globale Zollmanagement-Strategie über Länder und Regionen hinweg verfolgt, versucht man eine Lösung zu finden, bei der man nur ein einziges System für alles hat, weil man dann die Synergien und die Vorteile von gemeinsamen automatisierten und harmonisierten Prozessen nutzen kann. Das ist in der Regel das Ziel all derer, die sich Gedanken über internationale Zoll- und Trade-Compliance machen.“

 

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass diese Version der Success Story eine Übersetzung der englischen Originalfassung ist. Diese ist HIER für Sie verfügbar.


Zurück