Handelsabkommen sollen den Warenfluss für Unternehmen durch reduzierte Zölle, reibungslosere Grenzprozesse und eine engere internationale Zusammenarbeit unterstützen. Für Unternehmen, die sich in den heutigen volatilen Lieferketten zurechtfinden müssen, sind diese Abkommen ein wirksames Instrument zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.
Doch trotz dieser klaren Vorteile werden Freihandelsabkommen (FTAs) und Präferenzhandelsabkommen (PTAs) chronisch zu wenig genutzt. Ein Bericht der UNCTAD aus dem Jahr 2018 schätzt, dass EU-Unternehmen aufgrund der geringen Inanspruchnahme von Präferenzzöllen 89 Milliarden Euro an potenziellen Zollersparnissen ungenutzt ließen. Neuere Untersuchungen der World Customs Organisation (WCO) befassen sich mit den Gründen, warum Präferenzhandelsabkommen im Handel nach wie vor unzureichend genutzt werden.
Warum die Nutzungsraten niedrig bleiben
Die WCO erklärt, dass es zwei Hauptfaktoren gibt, die die Nutzung von PTAs einschränken. Dazu gehören:
- Hohe Verwaltungskosten: Die Einhaltung der Präferenzursprungsregeln bleibt eine der größten Hürden. Um für Zollsenkungen infrage zu kommen, müssen Exporteure nachweisen, dass ihre Produkte komplexe Ursprungskriterien erfüllen. Dies erfordert oft umfangreiche Dokumentation, Transparenz in der Lieferkette und Audits – was die Compliance-Kosten erhöht und für viele Unternehmen die Einsparungen überwiegt.
- Geringe Präferenzspannen: In einigen Sektoren ist der Unterschied zwischen den Meistbegünstigungszöllen (MFN, Most-Favored-Nation) und den Präferenzzöllen gering. Wenn die Zolldifferenz minimal ist, kommen Unternehmen oft zu dem Schluss, dass der Aufwand für die Einhaltung der Vorschriften die marginalen Kosteneinsparungen nicht wert ist.
Jenseits von Zöllen: Politische Unsicherheit und Überlastung durch Verhandlungen
Die globale handelspolitische Landschaft verändert sich rasant, da immer mehr Länder Freihandelsabkommen aushandeln, um sich in einem Klima geopolitischer Unsicherheit den Marktzugang zu sichern. Viele Abkommen stecken jedoch noch in der Diskussionsphase fest, was zu einem fragmentierten Umfeld führt, in dem Unternehmen unsicher sind, welche Vorteile ihnen heute tatsächlich zur Verfügung stehen.
Die versteckten Kosten für Unternehmen
Für international tätige Unternehmen bedeutet die unzureichende Nutzung von Freihandelsabkommen, dass Zollsenkungen in Milliardenhöhe ungenutzt bleiben und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt wird. Dies führt zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen, bei denen größere Unternehmen mit den Ressourcen zur Verwaltung von Compliance-Systemen mehr profitieren, während kleinere Unternehmen ins Hintertreffen geraten. Ohne ein optimiertes Ursprungsmanagement sehen sich Unternehmen mit Verzögerungen und dem Risiko von Verstößen bei Audits konfrontiert.
Auf dem Weg zu einer besseren Nutzung: Wie geht es weiter?
Bei künftigen Freihandelsverhandlungen werden drei Bereiche entscheidend sein, um einen reibungsloseren, kooperativeren und wettbewerbsfähigeren Handel zu gewährleisten. Hierbei handelt es sich um:
- Digitalisierung des Herkunftsmanagements: Die Automatisierung der Herkunftsberechnung, Dokumentation und Aufbewahrung von Unterlagen senkt die Compliance-Kosten.
- Kapazitätsaufbau für KMU: Schulungen und Unterstützung zur Einhaltung der Ursprungsregeln können den Zugang zu Handelsvorteilen demokratisieren.
- Vereinfachung der Politik: Künftige FTA-Verhandlungen müssen sich auf die Anwendbarkeit konzentrieren und sicherstellen, dass die Ursprungsregeln die beabsichtigten Vorteile nicht untergraben.
FTAs stärken nicht nur die internationalen Beziehungen, sondern sind auch wichtige Instrumente für die Wirtschaft. Um ihr Potenzial voll auszuschöpfen, benötigen Unternehmen bessere Systeme, und politische Entscheidungsträger müssen die Compliance-Rahmenbedingungen vereinfachen. Andernfalls bleiben die versprochenen Handelsvorteile in Milliardenhöhe weitgehend ungenutzt.