In den letzten Monaten verliefen die Bemühungen der USA, Handelsabkommen mit wichtigen internationalen Partnern abzuschließen oder zu vertiefen, uneinheitlich, was vor allem auf allgemeine geopolitische Spannungen und sich wandelnde Prioritäten in der globalen Handelspolitik zurückzuführen ist. Die Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich, der EU und Indien zeigen, wie komplex und unvorhersehbar die moderne Handelsdiplomatie geworden ist.
Großbritannien: Begrenzte Einigung erzielt, aber vollständiges Abkommen noch nicht abgeschlossen
Die USA und Großbritannien haben im Mai 2025 ein begrenztes Handelsabkommen geschlossen, das oft als „Wirtschafts- und Wohlstandsabkommen“ bezeichnet wird und als erstes Handelsabkommen der Trump-Regierung gilt. Im Rahmen des Abkommens haben die beiden Länder bestimmte Zölle, darunter auf Stahl sowie auf bestimmte US-Importe in Großbritannien, zurückgenommen und den Marktzugang für ausgewählte amerikanische Exporte erweitert. Das Abkommen geht jedoch nicht so weit, ein umfassendes Freihandelsabkommen zu sein, und lässt weiterhin umfassende Zölle auf viele britische Waren bestehen. Die fortgesetzten Gespräche zielen darauf ab, detailliertere Bestimmungen zum digitalen Handel, zum geistigen Eigentum und zur regulatorischen Zusammenarbeit zu finalisieren.
Obwohl beide Seiten das Rahmenabkommen als historisch bezeichnen, ist sein Umfang nach wie vor begrenzt und es bedarf weiterer Verhandlungen und der Zustimmung des Gesetzgebers, damit es zu einem vollständigen Freihandelsabkommen ausgebaut werden kann. Unterdessen sehen sich britische Exporteure weiterhin mit höheren US-Zöllen auf eine Reihe von Produkten konfrontiert, was die unvollendeten Aufgaben in den transatlantischen Handelsbeziehungen unterstreicht.
EU: Handelsabkommen in der Schwebe aufgrund von Zollandrohungen und politischem Widerstand
Die Verhandlungen mit der EU zielten darauf ab bzw. zielten ursprünglich darauf ab, große Teile der transatlantischen Handelsbeziehungen zu liberalisieren und gleichzeitig neue gegenseitige Zollbedingungen festzulegen. Diese Gespräche gipfelten im August 2025 in einem politischen Rahmenabkommen. Der Entwurf sah unter anderem Zölle in Höhe von 15 Prozent auf die meisten EU-Exporte in die USA und Nullzölle auf bestimmte amerikanische Waren vor.
Die Ratifizierung dieses Abkommens ist nun jedoch gefährdet. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben das Handelsabkommen ausgesetzt und dabei Bedenken hinsichtlich der jüngsten Zollandrohungen der USA angeführt, darunter Vorschläge für Zölle gegen Verbündete aufgrund geopolitischer Streitigkeiten und eine zunehmende Erosion des Vertrauens in den Verhandlungsprozess. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments, erklärte, dass es keine Möglichkeit für einen Kompromiss zu diesem Abkommen gebe, solange umstrittene Maßnahmen der USA, wie beispielsweise Zollandrohungen im Zusammenhang mit den Verhandlungen über die Arktis, nicht geklärt seien.
Präsident Trump kündigte daraufhin eine „Rahmenvereinbarung“ mit den NATO-Verbündeten zu Grönland an, die zumindest vorübergehend die Pläne für Strafzölle lockerte. Dennoch bleibt die Zukunft des Handelsabkommens zwischen der EU und den USA ungewiss, da die Ratifizierung ins Stocken geraten ist und die politischen Spannungen anhalten.
Indien: Aktive, aber noch nicht abgeschlossene Gespräche trotz hoher Zölle und strategischer Beziehungen
Die Handelsverhandlungen zwischen den USA und Indien wurden trotz Rückschlägen und hoher Zollschranken fortgesetzt. Beide Länder bleiben aktiv engagiert und haben für Januar 2026 ein Telefonat geplant, um offene Handelsfragen zu erörtern. Der neu ernannte US-Botschafter in Neu-Delhi, Sergio Gor, erklärte, dass die Gespräche nach dem Stillstand der vorherigen Verhandlungsrunden fortgesetzt würden, was das gegenseitige Interesse an einem Abschluss des bilateralen Handelsabkommens widerspiegele.
Die Handelsbeziehungen Indiens mit den USA wurden durch einen Zollsatz von 50 Prozent auf indische Exporte erschwert – einer der höchsten von Washington verhängten Zollsätze –, der nach dem Scheitern der Handelsgespräche im Jahr 2025 eingeführt wurde. Diese Abgaben, die zum Teil mit Indiens Kauf von russischem Öl zusammenhängen, haben die Verhandlungsführer unter Druck gesetzt, eine gemeinsame Basis zu finden. Handelsminister Rajesh Agrawal hat angedeutet, dass beide Seiten kurz vor einer Einigung stehen, bleibt jedoch vorsichtig, was die Festlegung eines Zeitplans angeht.
Präsident Trump selbst sagte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, dass die USA und Indien auf dem Weg zu einem „großartigen” Handelsabkommen seien, obwohl Berichte auf diplomatische Reibereien hinsichtlich der Kommunikation und der Verhandlungsdynamik hindeuten.
Was dies für den globalen Handel bedeutet
In allen drei Verhandlungssträngen zeichnet sich ein gemeinsames Thema ab: Zollpolitik, geopolitische Fragen und innenpolitische Dynamiken beeinflussen die Ergebnisse ebenso stark wie wirtschaftliche Interessen. Das Abkommen mit dem Vereinigten Königreich bleibt eher ein Rahmenwerk als ein vollständiges Freihandelsabkommen. Der EU-Pakt liegt aufgrund politischer Einwände gegen die Zollpolitik der USA auf Eis, während die Gespräche zwischen Indien und den USA angesichts hoher Schutzzölle und eines umfassenderen strategischen Engagements fortgesetzt werden.
Da der globale Handel zunehmend politisiert und mit Sicherheitsfragen verknüpft ist, sind Handelsverhandlungen nicht mehr nur kommerzielle Angelegenheiten, sondern komplexe diplomatische Unterfangen.