Ein Jahrzehnt nach dem Brexit-Referendum hat eine neue Studie die Debatte über die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU neu entfacht. Sie legt nahe, dass allein ein Wiedereintritt in die Zollunion kaum dazu beitragen würde, die wirtschaftlichen Folgen des EU-Austritts auszugleichen.
Laut einer Analyse des Centre for European Reform (CER) hat der Brexit die britischen Exporte in die EU um rund 12 Prozent verringert, wobei die Warenexporte schätzungsweise 16 Prozent und die Dienstleistungsexporte sieben Prozent niedriger ausfallen, als sie es gewesen wären, wenn das Vereinigte Königreich in der EU geblieben wäre.
Der Studie zufolge ist der größte Teil des Rückgangs nicht auf Zollschranken zurückzuführen, sondern auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem Binnenmarkt. Schätzungen zufolge sind rund zehn Prozent des gesamten Exportrückgangs auf neue regulatorische Anforderungen zurückzuführen, darunter Zertifizierungsverfahren, Produktkontrollen und die Einhaltung von EU-Normen.
Zwar würde eine Zollunion einige administrative Belastungen beseitigen, insbesondere die Ursprungsregeln für Exporteure, doch viele regulatorische Hindernisse, die derzeit den Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU beeinträchtigen, blieben bestehen. Auch für den Dienstleistungssektor, der seit dem Brexit zu den am stärksten betroffenen Branchen zählt, würde sie nur begrenzte Vorteile bringen.
Besonders betroffen waren die Reisebranche, die Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie die Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie.
Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem sich die politische Debatte über die Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Vorfeld eines für nächsten Monat geplanten Gipfeltreffens zwischen Großbritannien und der EU. Zwar strebt die Regierung eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der EU an, schließt jedoch weiterhin einen Wiedereintritt in den Binnenmarkt oder die Zollunion aus.
Die Studie stellt eines der zentralen Argumente der Brexit-Befürworter vor dem Referendum von 2016 infrage und untersucht, ob ein ausgeweiteter Handel mit Nicht-EU-Ländern einen Rückgang des Handels mit Europa ausgleichen würde. Die CER-Forscher finden bislang kaum Anhaltspunkte dafür, dass solche Gewinne die schwächere Handelsentwicklung mit der EU kompensiert hätten.
Dies unterstreicht die anhaltende Bedeutung der regulatorischen Angleichung im modernen Handel. Während Zölle in Handelsdiskussionen oft im Vordergrund stehen, deutet die Untersuchung darauf hin, dass Normen, Zertifizierungsanforderungen und Marktzugangsregeln mittlerweile eine deutlich größere Rolle bei der Gestaltung der Handelsströme zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU spielen als Zollverfahren allein.