Die jüngsten turbulenten Entwicklungen im Welthandel, angeführt von den USA verhängten Zöllen, drohen die Weltwirtschaft zu erschüttern und könnten in diesem Jahr zu einem Rückgang des Handels führen, während geopolitische Unsicherheiten und Handelsungleichgewichte zusätzliche Risiken darstellen.
Zu diesem Ergebnis kommen neue Berichte der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) und der Welthandelsorganisation (WTO), die beide vor einem zunehmend schwierigen Umfeld für Unternehmen weltweit warnen.
Beide Organisationen stellen fest, dass dies eine deutliche Kehrtwende gegenüber den Prognosen vor der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump darstellt, die von einem anhaltenden Wachstum des Welthandels ausgegangen waren.
Was sagen die Berichte und was bedeutet dies für Unternehmen, die sich in dieser unsicheren Lage zurechtfinden müssen?
WTO warnt vor Rückgang des Handels im Jahr 2025
Der jüngste Weltwirtschaftsausblick der WTO vom April warnte nach einem sehr positiven Jahr 2024 vor einer „deutlichen Verschlechterung der Aussichten für den Welthandel“, wobei die unsichere Handelspolitik und die Auswirkungen der Zölle die größten Einflussfaktoren seien.
Unter den derzeitigen Bedingungen dürfte das Volumen des weltweiten Warenhandels 2025 um 0,2 Prozent zurückgehen – fast drei Prozentpunkte weniger als ohne die jüngsten politischen Kurswechsel. Nordamerika wäre mit einem Exportrückgang von 12,6 Prozent besonders stark betroffen.
Sollte sich die Lage weiter verschlechtern und weitere Zölle eingeführt werden, könnte der Welthandel sogar um weitere 1,5 Prozent zurückgehen.
WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala erklärte: „Die anhaltende Unsicherheit droht das globale Wachstum zu bremsen, was schwerwiegende negative Folgen für die Welt und insbesondere für die schwächsten Volkswirtschaften hätte.“
UNCTAD: Ausgewogene Politik als Schlüssel zum Wachstum
Unabhängig davon warnte ein kürzlich veröffentlichter Bericht der UNCTAD – der noch vor der Ankündigung der Zölle durch Präsident Trump am „Liberation Day" erschien – davor, dass die Handelspolitik die globale Landkarte neu zeichnet. Dies führe zu einem zunehmenden Protektionismus in den Industrieländern, was wiederum Vergeltungsmaßnahmen der Handelspartner zur Folge habe.
In der Studie heißt es: „Die Herausforderung im Jahr 2025 besteht darin, eine globale Zersplitterung zu verhindern, bei der Nationen isolierte Handelsblöcke bilden, und gleichzeitig politische Veränderungen zu bewältigen, ohne das langfristige Wachstum zu untergraben. Die Maßnahmen, die Regierungen und Unternehmen jetzt ergreifen, werden die Krisenfestigkeit des Handels in den kommenden Jahren prägen.“
Daher forderte er die Länder nachdrücklich auf, sich auf eine ausgewogene Handelspolitik zu konzentrieren und die globale Zusammenarbeit zu fördern.
Der Bericht stellte außerdem fest, dass sich die 2024 vorherrschenden Tendenzen „Nearshoring“ und „Friendshoring“ in diesem Jahr umgekehrt haben, während einige Volkswirtschaften, darunter Australien und die EU, versuchen, ihre Abhängigkeit von traditionellen Handelspartnern zu verringern.
Diese Diversifizierung kann zwar neue Chancen eröffnen, wird aber auch den globalen Handel komplexer machen. Als Folge davon werden Unternehmen die richtigen Instrumente benötigen, um sich auf dem Markt zurechtzufinden und die besonderen Anforderungen der neuen Gebiete, in denen sie tätig sind, zu verstehen.
Was bedeutet der Handelskrieg zwischen den USA und China für die Welt?
Zwar wurden viele der US-Zölle vorerst ausgesetzt, doch der Streit mit China bleibt intensiv. Washington deutete diese Woche an, dass die Einfuhrzölle für chinesische Waren um bis zu 245 Prozent steigen könnten. Die WTO wies darauf hin, dass dies zu einem Rückgang des Handels zwischen den Ländern um bis zu 80 Prozent führen könnte, was laut Okonjo-Iweala einer „Entkopplung“ ihrer Volkswirtschaften gleichkäme.
Dies würde wiederum zu erheblichen Handelsverlagerungen führen und in Drittmärkten die Sorge vor einem verstärkten Wettbewerb durch China schüren. Gleichzeitig dürften die USA zusätzlichen Druck auf Länder ausüben, die enge Beziehungen zu Peking unterhalten, was zu weiteren Zöllen oder Handelsbarrieren führen könnte.
All dies zeigt, wie wichtig es für Unternehmen ist, einen diversifizierten und flexiblen Ansatz im Handel zu verfolgen, und dass Lösungen wie Automatisierung erforderlich sind, damit Unternehmen in den kommenden Monaten mit dem sich ständig verändernden Umfeld Schritt halten können.