Indien und die USA haben einen lang erwarteten Durchbruch im Handel erzielt. Präsident Donald Trump kündigte eine deutliche Senkung der Zölle auf indische Waren an und lockerte damit die seit Monaten bestehenden Handelsspannungen zwischen den beiden Ländern. Laut dieser Ankündigung werden die US-Zölle auf indische Importe von 50 Prozent auf 18 Prozent sinken, wodurch Indien weitgehend anderen asiatischen Produktionszentren gleichgestellt wird.
Der Schritt wurde in Neu-Delhi nach einer langen Phase der Unsicherheit, die die Exporte, Investitionsströme und Finanzmärkte belastet hatte, begrüßt. Indien war seit August des vergangenen Jahres den weltweit höchsten US-Zöllen unterworfen, als Reaktion auf die fortgesetzten Käufe von vergünstigtem russischem Öl durch Indien wurden die Zölle damals erhöht
Nach einem Telefonat zwischen Trump und Premierminister Narendra Modi erklärte der US-Präsident, Indien habe zugestimmt, seine Einkäufe von russischem Öl zu reduzieren und die Importe aus den USA zu erhöhen. Indische Regierungsvertreter haben diese Angaben nicht bestätigt, obwohl Modi die Ankündigung als positiven Schritt bezeichnete und erklärte, er hoffe, die bilateralen Beziehungen auf ein „beispielloses Niveau“ zu heben.
Die Zollsenkung folgt auf eine Phase, in der sich die Beziehungen zwischen den USA und Indien stark verschlechtert hatten und die indischen Exporte in die USA in wichtigen Sektoren wie Textilien, Meeresfrüchte und Schmuck zurückgegangen waren. Der Druck beschleunigte auch Indiens Bemühungen um eine Diversifizierung seiner Handelsbeziehungen, die letzte Woche in einem wichtigen Abkommen mit der EU gipfelten, durch das die Zölle auf die meisten Waren abgeschafft werden sollen.
„Dies steigert die Attraktivität Indiens, als Alternative zu China, für die Neugestaltung globaler Lieferketten erheblich“, sagte Shilan Shah von Capital Economics. „Indien bietet nach wie vor viele Vorteile, die andere Produktionszentren nicht bieten können, darunter niedrige Arbeitskosten, politische Stabilität und einen großen Binnenmarkt, auf dem multinationale Unternehmen ihre Produkte verkaufen können, um sich gegen künftige Zölle abzusichern.“
Allerdings wurde bislang noch keine gemeinsame Erklärung oder detaillierte Vereinbarung veröffentlicht, sodass Fragen zum Umfang der betroffenen Produkte, Zeitpläne und Verpflichtungen in sensiblen Bereichen wie der Landwirtschaft offen bleiben.
Trotz fehlender Details haben beide Seiten angedeutet, dass weitere Verhandlungsrunden zu erwarten sind, was darauf hindeutet, dass das Abkommen eher den Beginn einer umfassenderen Neugestaltung als eine endgültige Lösung darstellt.