Nach mehr als 16 Jahren Verhandlungen trat das Handels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (TEPA) zwischen Indien und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) am 1. Oktober 2025 offiziell in Kraft.
Das Abkommen ist ein wichtiger Meilenstein in Indiens Handelsstrategie mit den europäischen Volkswirtschaften und eröffnet den Warenverkehr zwischen beiden Parteien sowie bilaterale Investitionsmöglichkeiten, die das Wirtschaftswachstum unterstützen sollen.
Wichtige Bestimmungen
Die EFTA-Staaten, zu denen die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein gehören, werden rund 92,2 Prozent ihrer Zolltarifpositionen für indische Exporte liberalisieren. Im Gegenzug wird Indien rund 82,7 Prozent seiner Zölle auf etwa 95,3 Prozent der EFTA-Exporte senken.
Das Abkommen umfasst den Handel mit Waren, Dienstleistungen, Investitionsförderung, Rechte an geistigem Eigentum, nachhaltige Entwicklung und andere Bereiche, die für moderne umfassende Handelsabkommen typisch sind. Es vereinfacht außerdem Handelsverfahren, stärkt die Zusammenarbeit im Regulierungsbereich und verbessert für beide Seiten den Zugang zu Waren, Dienstleistungen und Investitionen.
Darüber hinaus haben die EFTA-Staaten Investitionen in Höhe von bis zu 100 Milliarden US-Dollar in Indien über einen Zeitraum von 15 Jahren zugesagt, mit dem Ziel, rund eine Million direkte Arbeitsplätze in Indien zu schaffen.
Sektorale Chancen
TEPA eröffnet sowohl Indien als auch der EFTA zahlreiche Chancen, wobei offene Märkte die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und die Compliance-Kosten für eine Vielzahl von Branchen senken dürften.
Hier sind einige Sektoren, die von diesem Handelsabkommen profitieren dürften:
- Indische Exporteure von Chemikalien, Pharmazeutika, Maschinenbauprodukten, Textilien/Lederwaren, verarbeiteten Lebensmitteln und Meeresprodukten sind gut positioniert, um von den reduzierten EFTA-Zöllen und einem reibungsloseren Marktzugang zu profitieren.
- Auf Seiten der EFTA erhalten Branchen wie Präzisionsinstrumente (z. B. Schweizer Uhren), Milch- und Fischprodukte, Luxuslebensmittel und hochwertige Maschinen einen besseren Zugang zu Indiens großem und wachsendem Verbraucher- und Produktionsmarkt.
- Dienstleistungen und Investitionsströme: Das Abkommen unterstützt Indiens Ziele „Make in India” und die Modernisierung der Fertigungsindustrie und versetzt EFTA-Unternehmen in die Lage, sich stärker in den Bereichen Fertigung, erneuerbare Energien, digitale Transformation und fortschrittliche Forschung und Entwicklung in Indien zu engagieren.
Was Fachleute für Handel und Compliance beachten sollten
Um die Vorteile des Abkommens voll auszuschöpfen, müssen Handels- und Compliance-Teams mehrere wichtige regulatorische und operative Entwicklungen im Auge behalten, darunter:
- Ursprungsregeln: Angesichts der Liberalisierung der Zölle müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre Produkte die TEPA-Ursprungskriterien erfüllen, wobei die Dokumentation, die Rückverfolgbarkeit der Lieferkette und die Bestimmungen zum kumulativen Ursprung eine wichtige Rolle spielen.
- Zolltarife und Zeitpläne: Da die Zollsenkungen schrittweise eingeführt werden, müssen Unternehmen im Blick behalten, welche Produktlinien bereits zollfrei sind, für welche weitere Senkungen geplant sind und welche Übergangsschutzmaßnahmen gelten.
- Geschäftsmöglichkeiten und Investitionschancen: Compliance-Teams sollten bewerten, wie sich das Abkommen auf künftige Geschäftsaktivitäten, die Marktpräsenz und regulatorische Anforderungen auswirken könnte.
- Harmonisierung der Rechtsvorschriften und Erleichterung des Handels: Das TEPA umfasst Kapitel zu Transparenz, Zollverfahren und Zusammenarbeit im Regulierungsbereich. Unternehmen sollten sich auf weiterentwickelte bzw. sich weiterentwickelnde Dokumentationsanforderungen, die Angleichung digitaler Systeme und Risikomanagement-Rahmenwerke vorbereiten.
- Sensible Sektoren und Ausnahmen: Einige Sektoren bleiben ausgeschlossen oder unterliegen weiterhin Schutzmaßnahmen, etwa bestimmte Agrarprodukte und Goldimporte nach Indien. Unternehmen in diesen Bereichen dürfen nicht von einer vollständigen Liberalisierung ausgehen.
Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EFTA bietet Exporteuren, Investoren und Lieferkettenmanagern auf beiden Seiten bedeutende neue Möglichkeiten. Für indische Unternehmen bietet das Abkommen einen verbesserten Zugang zu den entwickelten europäischen Märkten und umfangreiche Investitionszusagen. Für EFTA-Unternehmen eröffnet es den Zugang zu einer der weltweit größten und am schnellsten wachsenden Verbraucher- und Produktionswirtschaften.
Unternehmen, die schnell handeln und ihre internen Prozesse anpassen, können sich durch das Abkommen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil sichern.