Handel im Jahr 2026: Wie Zölle Entscheidungen beeinflussen

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Eine aktuelle Umfrage von McKinsey zeigt, dass Zölle Unternehmensstrategien neu gestalten, was Auswirkungen auf die künftige Handelsstrategie und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten hat.

Nach einem Jahr, das von schwankenden Zollregelungen und raschen Veränderungen in der globalen Handelspolitik geprägt war, passen Unternehmen ihre Planung und ihre Geschäftstätigkeit weiterhin an. Eine aktuelle Umfrage von McKinsey & Company zu Risiken in der Lieferkette zeigt, wie stark sich Zölle mittlerweile auf die Entscheidungsfindung von Unternehmen auswirken. Zudem legt sie nahe, dass viele der ergriffenen Maßnahmen eher Teil umfassender Resilienzstrategien sind als isolierte Reaktionen auf Zölle.

Zölle betreffen die meisten Lieferketten

Laut einer Umfrage von McKinsey unter Führungskräften im Bereich Lieferketten gaben 82 Prozent der Befragten an, dass die jüngsten Zolländerungen Auswirkungen auf ihre Lieferketten hatten, wobei zwischen 20 und 40 Prozent der Lieferkettenaktivitäten in gewissem Maße von diesen Maßnahmen beeinflusst wurden. Dies zeigt, dass Zölle nicht nur Randkosten sind, sondern mittlerweile ein wesentlicher Faktor, der die operativen Prioritäten und die Risikoplanung in allen Branchen beeinflusst.

Die Auswirkungen sind je nach Branche unterschiedlich. So gaben Konsumgüterunternehmen an, dass die Zölle 43 Prozent ihrer Lieferkettenaktivitäten betreffen, während Sektoren wie die Chemieindustrie geringere direkte Auswirkungen verzeichneten. Lieferketten mit starker US-Marktexponierung waren am empfindlichsten: 70 Prozent der Befragten gaben an, dass die Auswirkungen auf die Kundennachfrage in den USA genauso groß oder größer waren als die Auswirkungen in anderen Regionen.

Aufbau von Lagerbeständen und Veränderungen in der Beschaffung

Angesichts der Unsicherheit hinsichtlich der Zölle haben viele Unternehmen zunächst auf bewährte Instrumente zurückgegriffen. Die Daten von McKinsey zeigen, dass eine Vielzahl von Unternehmen ihre Lagerbestände als Puffer aufstocken – eine Taktik, die an das Risikomanagement in Zeiten der Pandemie erinnert, aber mit deutlichen Kompromissen beim Betriebskapital verbunden ist. Rund 45 Prozent der Befragten gaben an, dass diese Strategie eine direkte Reaktion auf den Zolldruck sei. Ähnlich gehen Unternehmen bei der Beschaffung vor, indem sie sich nicht mehr auf einen einzelnen Lieferanten oder eine Region verlassen, sondern ihre Einkäufe auf mehrere Bezugsquellen verteilen. Diese Vorgehensweise wurde von 39 Prozent der Befragten genannt. Rund ein Drittel der Unternehmen plant zudem, Teile der Produktion oder Beschaffung näher an den Absatzmarkt zu verlagern oder wieder ins eigene Land zurückzuholen.

Diese Maßnahmen spiegeln eine Beschleunigung bereits bestehender Strategien zur Bewältigung von Störungen wider: Aufbau von Redundanzen in Lieferantennetzwerken, Erhöhung der Pufferbestände und Priorisierung von Flexibilität. McKinsey stellt fest, dass weniger als sieben Prozent der Unternehmen völlig neue, spezifische Gegenmaßnahmen zu Zöllen eingeführt haben, was darauf hindeutet, dass die Auswirkungen der Zölle die Risikomanagementstrategien eher verstärken als grundlegend verändern.

Preisweitergabe und Kostenübernahme

Die Umfrage zeigt auch, wie Unternehmen mit zollbedingten Kosten umgehen. Anstatt die zollbedingten Kosten konsequent durch höhere Preise an die Kunden weiterzugeben, entscheiden sich viele dafür, die Kosten intern zu übernehmen oder abzufedern. McKinsey stellt fest, dass weniger als ein Fünftel der Befragten plant, mehr als 80 Prozent der Zollkosten durch Preiserhöhungen weiterzugeben. Branchen wie die Chemie- und Automobilindustrie wiesen höhere Weitergabesätze auf, oft von über 60 Prozent. Der Gesamtdurchschnitt deutete jedoch darauf hin, dass die meisten Unternehmen die Zollbelastungen über ihre Lieferketten hinweg verteilen.

Dieses Muster deutet auf eine verschärfte Wettbewerbsdynamik in vielen Märkten hin. In vielen Märkten birgt eine Preiserhöhung das Risiko eines Nachfragerückgangs oder Marktanteilsverlusts, was Unternehmen dazu veranlasst, alternative Maßnahmen wie Kostenoptimierung, Lieferantenverhandlungen oder eine Neuausrichtung ihrer Marktpräsenz zu ergreifen.

Strategische Auswirkungen auf die Handelsplanung

Die durch Zölle bedingten Entscheidungen im Jahr 2025 und Anfang 2026 spiegeln einen grundlegenden strategischen Wandel wider. Unternehmen betrachten Zölle zunehmend als dauerhafte Variablen in ihrer Planung und nicht mehr als kurzfristige Schocks. Der Bericht von McKinsey argumentiert, dass die moderne Handelslandschaft von Unternehmen verlangt, über traditionelle reaktive Modelle hinauszugehen und sich in Richtung integrierter Risikoplanung und Szenarioanalyse zu bewegen.

Er schlägt auch eine Neuausrichtung der Handelsstrategie selbst vor. Anstatt sich einfach nur an einzelne Tarifänderungen anzupassen, überdenken Unternehmen, wo sie produzieren, wie diversifiziert ihre Lieferantenbasis sein sollte und wie Lagerbestände und Puffer mit Kosten- und Servicezielen zusammenwirken. Diese Entscheidungen sind jetzt strategisch an die zu erwartenden Tarife gekoppelt und nicht ausschließlich an makroökonomische Zyklen oder saisonale Nachfrage.

Ausblick

Zwar stellen Zölle weiterhin eine disruptive Kraft dar, doch die McKinsey-Umfrage zeigt, dass viele Unternehmen von reaktiven Maßnahmen zu einer resilienten Planung übergehen. Die Aufstockung der Lagerbestände, die Diversifizierung der Beschaffungsquellen und die Absorption von Kosten sind Instrumente, die sowohl vor Volatilität schützen als auch die langfristige Wettbewerbsposition stärken.

Die Unsicherheit hinsichtlich der Zölle beeinflusst die Entscheidungen von Unternehmen in vielen Bereichen der Lieferkette und der Handelsstrategie. Die Einbeziehung von Zöllen in ganzheitliche Risiko- und Planungsmodelle ist mittlerweile unerlässlich, um in einem komplexen globalen Handelsumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.