Friendshoring 2025

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Können Unternehmen auch in einem zunehmend instabilen Umfeld weiterhin vom Friendshoring profitieren, um günstige Handelsbedingungen zu sichern?

Aufgrund der jüngsten Turbulenzen im globalen Handel und des wachsenden Drucks auf traditionelle Allianzen überprüfen viele Unternehmen weltweit ihre Lieferketten, um flexiblere Märkte und Lieferanten zu identifizieren.

Eine mögliche Lösung besteht darin, die zunehmenden Bestrebungen vieler Regierungen zu nutzen, die im Rahmen ihrer Handelspolitik verstärkt auf „Friendshoring“ setzen. Diese Strategie hat vor allem nach Störungen wie der COVID-19-Pandemie und wachsenden Handelskonflikten zwischen den führenden Wirtschaftsnationen an Bedeutung gewonnen.

Gilt das auch in einem deutlich instabileren Umfeld noch in gleichem Maße wie vor einigen Jahren? Werfen wir einen Blick auf den Stand des Friendshoring in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 und einige der Herausforderungen oder Chancen, die sich daraus ergeben können.

Friendshoring und Nearshoring im Jahr 2025

Friendshoring bezeichnet Bemühungen, die Handelsbeziehungen zwischen politisch und kulturell gleichgesinnten Partnern zu intensivieren. In den letzten Jahren war dies ein Schwerpunkt der Regierung Joe Bidens, die angesichts wachsender politischer Spannungen die Abhängigkeit der USA von China verringern wollte. Zu den Vorteilen zählen eine höhere Widerstandsfähigkeit und Sicherheit in der Lieferkette sowie eine verbesserte Effizienz, da die Compliance-Vorschriften wahrscheinlich besser aufeinander abgestimmt sind.

Im Gegensatz dazu ist Nearshoring weniger politisch motiviert. Es fokussiert sich auf die Handelsbeziehungen zwischen geografisch nahen Ländern – wie etwa den USA, Kanada und Mexiko. Dies bietet Vorteile wie eine schnellere Markteinführung und die Minimierung von Problemen wie Versandstörungen.

In Donald Trumps zweiter Amtszeit haben die Bemühungen der USA in beiden Bereichen jedoch nachgelassen, da Präsident Trump einen stärker transaktionsorientierten Handelsansatz verfolgt. Handelsstreitigkeiten mit Kanada, Mexiko und der EU führten dazu, dass bestehende Abkommen durch neue Zollschranken erheblich beeinträchtigt wurden.

Dies könnte den Warnungen der Generaldirektorin der Welthandelsorganisation, Ngozi Okonjo-Iweala, Glaubwürdigkeit verleihen, die im vergangenen Jahr mahnte: „Ein Freund von heute ist nicht unbedingt ein Freund von morgen.“

Welche Auswirkungen könnten neue Wirtschaftsblöcke haben?

Angesichts der angespannten Beziehungen zwischen vielen Ländern und den USA erwägen einige Nationen den Aufbau neuer Handelsblöcke auf Basis gemeinsamer Werte, um Störungen zu minimieren und neue Chancen zu nutzen.

Eine dieser neuen Partnerschaften entsteht im Nahen Osten, wo der Golf-Kooperationsrat (GCC) – bestehend aus Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten – eine Zusammenarbeit anstrebt, um einen Block zu formen, der eine Schlüsselrolle im Welthandel übernehmen könnte.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat kürzlich festgestellt, dass eine Reihe von Maßnahmen mit Schwerpunkt auf Friendshoring eingeführt wurden, um Kosten zu senken und Anreize für Unternehmen zu schaffen. Dazu gehören Sonderwirtschaftszonen, die wettbewerbsfähige Körperschaftsteuersätze und zollfreien Zugang zu den Märkten des Golf-Kooperationsrats (GCC) bieten.

„Da immer mehr Unternehmen auf Friendshoring setzen, arbeiten die Mitgliedstaaten proaktiv daran, diese konstruktiven Beziehungen zu nutzen“, so das WEF.

Die Entstehung solcher Blöcke ist jedoch nicht ohne Risiken. Der europäische Thinktank Centre for Economic Policy Research (CEPR) erklärte beispielsweise, dass sie zu einer stärkeren Fragmentierung des Welthandels führen könnte, was wiederum „die globale wirtschaftliche Integration und Zusammenarbeit behindern und geopolitische Spannungen verschärfen könnte.“

Die jüngste Zunahme protektionistischer Maßnahmen, die mehrere Länder als Reaktion darauf ergriffen haben, könnte ebenfalls zu Effizienzverlusten und höheren Kosten für den globalen Handel führen. Das CEPR erklärte: „Um mit den aktuellen geopolitischen Kräften umzugehen, muss sorgfältig abgewogen werden, welche Kompromisse zwischen dem Schutz der heimischen Industrie und der Offenheit globaler Märkte notwendig sind.“